Die geologischen Bedingungen in Witten sind so unterschiedlich wie die Stadtteile selbst. Während im Bereich Annen und Rüdinghausen die tonig-schluffigen Verwitterungsböden des Karbon vorherrschen, finden wir im Ruhrtal bei Bommern und Herbede bis zu sechs Meter mächtige quartäre Kies- und Sandablagerungen, die bei Erdbebenanregung ein völlig anderes Antwortverhalten zeigen. Diese Heterogenität auf kleinem Raum macht die Erdbebenisolationsbemessung in Witten zu einer anspruchsvollen Aufgabe, denn ein und dasselbe Gebäude kann je nach Mikrostandort fundamental unterschiedlichen seismischen Einwirkungen ausgesetzt sein. Unsere Arbeit besteht darin, diese Unterschiede durch präzise geotechnische Erkundung und numerische Modellierung zu quantifizieren, bevor wir das Isolationssystem dimensionieren. In der Praxis kombinieren wir dafür die Ergebnisse aus Sondierungen mit CPT-Messungen und Scherwellenprofilen, um das dynamische Bodenverhalten zuverlässig abzubilden.
Die Bodenverstärkung in den quartären Sedimenten des Ruhrtals kann die effektive Bodenbeschleunigung um mehr als 40 % erhöhen – ein Effekt, den nur eine standortspezifische Erdbebenisolationsbemessung abfängt.
